Aggelidis fordert: Macht die Impfung für Ältere einfacher!

Auf unserer virtuellen Vorstandssitzung appelliert der senioren-politische Sprecher der Bundestagsfraktion, Grigorios Aggelidis, an die Verantwortlichen: „Vergesst die betagten Menschen nicht, die noch zuhause wohnen, bietet bessere Lösungen als nur eine Hotline, nur eine digitale Anmeldung oder ein zentrales, weitentferntes Impfzentrum.“

                                                       

Aggelidis verweist darauf, dass die hochgefährdete Gruppe von Senioren, die noch in den eigenen 4 Wänden lebt, große Probleme damit bekommen, Impf-Termine zu vereinbaren oder zentrale Impf-Zentren zu erreichen; sie sind schlichtweg überfordert. Manche verzichten notgedrungen auf die Impfung, das ist nicht gewollt.

 

Nicole Bracht-Bendt, die Landesvorsitzende, ergänzt: „Gerade im ländlichen Raum sind vielerorts größere Entfernungen zu einem Impf-Zentrum zu bewältigen. Hilfreich wäre ein Schritt in Richtung Dezentralisierung, in dem z.B. wohnortnahen Kliniken oder große Arztpraxen als impfende Anlaufstellen mit einbezogen werden.“ Darüber hinaus bedarf es eines altengerechten Transportangebotes. Pflegebedürftige Senioren, die zuhause betreut werden und nicht mehr mobil sind, sollten durch mobile Impfteams besucht werden.

 

Manfred Kobusch schlägt vor, dass Wohlfahrtsverbände, Kirchengemeinden oder ein Netz Ehrenamtlicher den Transport übernehmen könnten, wenn eine öffentliche Finanzierung garantiert würde. 

 

Die Liberalen Senioren appellieren deshalb an die Verantwortlichen in den Kommunen: Sorgen Sie für Unterstützung und bessere Lösungen, damit jeder ältere Mensch auf einfache Art und Weise die benötigten Corona-Impfungen erhalten kann. Nur dann bekommt unsere Gesellschaft ein Stück Freiheit zurück. 

                                                                                                              Manfred Kobusch, Vorsitzender

 

Weitere Informationen unter: www.liberale-senioren-rg-hannover.de


Grigorios Aggelidis ist unser Spitzenkandidat

Auf unserer letzten Vorstandssitzung im Dezember haben wir einstimmig be-schlossen, den seniorenpolitischen Sprech-er der FDP-Bundestagsfraktion, Grigorios Aggelidis, erneut als Spitzen-kandidaten der Liberalen Senioren Niedersachsen zu be-nennen. Unserem Votum hat sich auch der Landesverband angeschlossen.

 

Grigorios Aggelidis begleitet meine Arbeit bei den Liberalen Senioren schon seit mehreren Jahren, und wir haben viele Veranstaltungen in den vergangenen Jahren gemeinsam gestaltet und durchgeführt. Er hat in seiner Funktion als Sprecher für Familien und Senioren der FDP-Bundestagsfraktion die Belange älterer Menschen wirkungsvoll vertreten. Er hat für sie das Wort ergriffen, politische Denkanstöße gegeben und zahlreich Initiativen auf den Weg gebracht. 

                                   

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie forderte Aggelidis unermüdlich die Entwicklung intelligenter Pläne, um Seniorinnen und Senioren in Alten- und Pflegeheimen zu schützen, ohne deren Kontakte zu ihren Angehörigen zu unterbrechen oder Einsamkeit und Isolation auszulösen. Seine Vorschläge stießen nicht nur bei den Liberalen Senioren auf eine große Resonanz.

 

Auch für eine langjährige Forderung der liberalen Senioren aus dem Bereich der Altersdiskriminierung konnten wir Aggelidis gewinnen; gemeinsam nahmen wir uns des Themas Abschaffung der Altersgrenzen in Beruf und Ehrenamt an.  

 

Grigorios Aggelidis ist mit uns der Meinung, dass die Menschen heutzutage im fortgeschrittenen Alter besser ausgebildet, leistungsfähiger und gesünder sind als noch vor einigen Jahren. Die Gesellschaft könnte diese Fülle von Erfahrungen und das Know-how besser nutzen als bisher. 

 

Wir Liberale Senioren sehen in Grigorios Aggelidis einen starken Partner für unsere Belange. Wir freuen uns auf eine weitere Legislaturperiode mit ihm in Berlin und wünschen uns sehr, dass ihn die Gremien der FDP Niedersachsen mit einem guten Listenplatz ausstatten, damit er seine erfolgreiche Arbeit zum Wohl der älteren Menschen in unserem Land fortführen kann.     

                                                                                                         Manfred Kobusch, Vorsitzender    

  

Weitere Informationen unter www.liberale-senioren-rg-hannover.de

 


Fahrschein gegen Führerschein - nicht mit uns!

Bahn statt Auto - das will die Region Hannover den Senioren schmackhaft machen. Dieses Thema hatten die Liberalen Senioren schon vor einem Jahr im Regionsvorstand der FDP diskutiert, es war damals ein Vorschlag der JuLis. Die Liberalen Senioren haben ihn mehrheitlich abgelehnt.

 

Heute ist es wieder ein Vorschlag von Jugendlichen, diesmal vom Politikprojekt „Pimp your town“, und jetzt machten CDU und SPD daraus einen Antrag in der Region. Wer als Rentner seinen Führerschein abgibt, erhält ab 2021 eine für ein Jahr gültige Seniorennetzkarte für Üstra und Regiobus. Was für ein Tausch!? Was haben die Jugendlichen gegen die ältere Generation? Denken sie, die Senioren beherrschen das Autofahren nicht mehr? Wer möchte, kann am Fahrsicherheitstrainings teilnehmen, das wir mit dem ADAC anbieten.

 

„Kürzlich stand ich mittags in Großburgwedel und wollte mit dem Bus nach Neuwarmbüchen zurückfahren. Ich musste feststellen, dass ich zur Mittagszeit zwei Stunden auf den nächsten Bus warten musste. Und auf ein Taxi hätte ich mehr als eine halbe Stunde warten müssen“, sagte Manfred Kobusch, Vorsitzender der Liberalen Senioren in der Region. Mit dem eigenen Auto dauert die Fahrt 10 Minuten, und das trotz Tempo 30, die Geschwindigkeit, die jetzt überall präferiert wird.

 

Oder an der Endhaltestelle in Altwarmbüchen fährt mittags der Bus nur stündlich. „Dort kann ich mir die Wartezeit mit ein paar Drinks im nahen Kiosk vertreiben“. Beispiele dieser Art gibt es bestimmt in allen Gegenden der Region.

 

Warum CDU und SPD dieses Thema bereitwillig aufgegriffen haben, ist doch klar: Nach Ende der Berufstätigkeit steigen die Menschen häufiger ins Auto, weil das tägliche Pendeln mit Bus und Bahn zur Arbeitsstelle entfällt. Und diesen Trend will die Region umkehren, damit nicht noch mehr Fahrgäste dem ÖPNV abhandenkommen.

 

Die Region sollte aber auch bedenken, dass die Landbevölkerung ihre Einkäufe oft in der nächsten Ortschaft erledigen muss. „Wenn ich dann mit drei Einkaufstüten und zwei Großpackungen Toilettenpapier in den vollbesetzten Bus einsteige, bin ich dort ein gerne gesehener Fahrgast, besonders bei Regenwetter, von meiner Mühsal ganz zu schweigen“, beschreibt Kobusch die Situation. 

 

Wie froh waren doch die jungen Leute, als sie vor vielen Jahren ihr erstes eigenes Auto bekamen. Sie waren unabhängig vom ÖPNV, konnten zu jeder Tages- und Nachtzeit fahren und kamen außerdem ansteckungsfrei zur Arbeit. Und jetzt wollen SPD und CDU uns dieses wieder nehmen? Nie und nimmer!

                                                                                                             Manfred Kobusch, Vorsitzender

 

 


Immer die Radfahrer!

Auf unserer kürzlich stattgefundenen Sitzung haben sich mehrere Mitglieder Luft gemacht über das Thema „Radfahrer im Straßenverkehr“. Einer von uns konnte sich noch gut an ein Filmlustspiel mit Heinz Erhardt aus den 60er Jahren erinnern: Immer die Radfahrer. Er habe den Film damals im Kino mit Vergnügen gesehen. 

 

In dieser Epoche lag auch unsere Schulzeit. Manfred Kobusch erinnert sich: „Ich musste immer das Fahrrad benutzen, ob Sommer oder Winter, in Wind und Regen, Sturm und Schnee. Schulbusse oder den ÖPNV gab es damals noch nicht.“ Damals hat sich bei vielen ein siebter Sinn für die Gefahren des Straßenverkehrs entwickelt, eine Sensibilität, die den heutigen Radfahrer anscheinend fehlt.

Siggy Greinwald ergänzt: “Wenn ich heute mit dem Fahrrad unterwegs bin, fällt mir oftmals auf, wie rücksichtslos, ja verkehrsgefährdend manche Radfahrer sich im Straßenverkehr verhalten. Sie fahren auf Radwegen in der verkehrten Richtung, geben beim Abbiegen keine Handzeichen, schauen sich dabei auch nicht um.“ Sogar auf Gehwegen fahren sie oftmals zu schnell und klingeln dabei Fußgänger mit kleinen Hunden zur Seite. 

 

Es scheint, als fühlten sich Radfahrer wie die moralischen Könige des Straßenverkehrs und verhalten sich entsprechend. Ihre Fahrräder stoßen keine CO2-Emissionen aus, deshalb meinen sie, sie tun mehr für die Umwelt als andere Verkehrsteilnehmer.

 

Wenn wir in der Zeitung lesen, dass wieder ein Radfahrer beim Abbiegen von einem Auto erfasst worden ist und dabei getötet wurde, ist das ein bewegendes Schicksal. Diese Situation zu erleben, wünschen wir niemandem. Dabei würde umsichtiges Fahren aller Verkehrsteilnehmer und mehr Sensibilität für Gefahrensituationen die Sicherheit im Straßenverkehr erhöhen und Unfälle dieser Art vermeiden.

 

Wenn Autofahrer manchmal die Radfahrer, die auf der Straße fahren, anhupen, sind sie meistens im Recht: Radfahrer müssen die Wege mit dem „blauen Schild“ grundsätzlich benutzen, auch wenn der Weg uneben ist oder durch Wurzelaufbrüche holprig wurde. 

Manfred Kobusch gibt die Hoffnung nicht auf: „Im vergangenen Jahr hat die Gemeinde Isernhagen ein Fahrradkonzept entwickeln lassen und der Öfentlichkeit vorgestellt. Wenn es realisiert wird, werden die Wege komfortabler zu befahren sein. Ich hoffe, die Realisierung dauert nicht zu lange. Wir Liberale Senioren möchten es noch erleben.“

 

                                          Weitere Informationen unter www.liberale-senioren-rg-hannover.de


Vor 75 Jahren musste die deutsche Wehrmacht bedingungslos kapitulieren, das war die Stunde Null – die alliierten Truppen hatten Deutschland von der Barbarei befreit. In den Wochen vorher und noch jetzt war ein Volk auf der Flucht, aus den deutschen Ostgebieten, aus Schlesien, Pommern, Ostpreußen und aus Mitteldeutschland. Und meine Tante war mittendrin. Schon als kleiner Junge habe ich an ihren Lippen gehangen und ihr gespannt zugehört, wenn sie von Mecklenburg und von ihrer Flucht erzählt hat. 

 

An ihrem 92. Geburtstag ist meine Tante friedlich eingeschlafen, genau zu der Stunde, als ihre beiden Schwestern zum Essen das Zimmer verlassen hatten. Friedlich eingeschlafen – ihr Leben war nicht friedlich, denn es war ein Spiegel des 20. Jahrhunderts.

 

1911 wurde meine Tante in einer Kleinstadt im Lipperland geboren, kurz vor dem Großen Krieg. Nach Schule, Ausbildung und einer weiterführenden Handelsschule kam sie über mehrere Anstellungen nach Hannover, wo sie im Büro einer Möbelfabrik Arbeit fand. 1938 bot der Chef ihr an, mit ihrem Mann, den sie kurz vorher geheiratet hatte, nach Mecklenburg zu ziehen, um dort gemeinsam die Buchhaltung des neuerworbenen Sägewerkes zu übernehmen. 

 

„Bleiben Sie hier, es gibt Krieg!“ warnten ihre Nachbarn. Doch die Jungvermählten ließen sich nicht aufhalten und fuhren im Möbelwagen Richtung Mecklenburg, in eine kleine Stadt an der Müritz. Dort begann eine glückliche Zeit für die beiden, sie bezogen die „Villa“, wie das große, zweistöckige Haus dort genannt wurde, unten die Büros, oben zwei Wohnungen. Und sie nutzen die Gelegenheit, des Öfteren mit Freunden in deren „DKW Meisterklasse“ nach Berlin zu fahren, sie besuchten Revuen, Tanzsäle, Lichtspielhäuser und Cafés. Das war die Weltstadt, von der die junge Frau aus einer lippischen Kleinstadt immer geträumt hatte.

 

Doch ihre Nachbarn sollten Recht behalten: es gab Krieg! Zunächst merkte die Bevölkerung in Mecklenburg wenig davon, die Soldaten waren auf der Straße der Sieger, nach Osten wie nach Westen. Doch 1941 bekam meine Tante eine sehr traurige Nachricht, ihr geliebter Ehemann war gefallen, ein tiefer Einschnitt in ihr bis hierher glückliches Leben. Die nächsten Jahre verliefen noch ruhig, aber das Leben hatte sich verändert. Und die Hiobsbotschaften wollten nicht enden, 1944 fielen ihr Schwager, ihr Bruder und im letzten Kriegsjahr noch ihr jüngerer Bruder. 

 

Langsam begann die Bevölkerung an der Müritz an die Flucht vor den Russen zu denken. Auch meine Tante wollte weg. Was hielt sie hier noch? Im April 1945 packte sie zwei Koffer mit Kleidung, Wäsche, das gute Silberbesteck und ein paar Erinnerungsstücke an die vergangenen Jahre, das war alles, was sie tragen konnte. „Mit dem Möbelwagen hin, mit zwei Koffern zurück.“ Die ersten Kilometer konnte sie bei Nachbarn mitfahren. Die hatten sich einen alten „Wanderer“, eine Marke von der „Auto-Union“, organisiert, doch der hatte bei Meyenburg einen Motorschaden, der irreparabel war.  Schade! Jetzt musste meine Tante ihre Habseligkeiten auf einen Pferdewagen packen, der zu einem der vielen Trecks gehörte, die durch Mecklenburg gen Westen zogen.

 

Zu ihrem Elternhaus im Lipperland konnte meine Tante nicht auf direktem Wege, dazu hätte sie die Elbe überqueren müssen, aber die Wehrmacht hatte alle Brücken gesprengt, um den nachrückenden Russen den Weg zu versperren. Also kamen nur Verwandte in Schleswig-Holstein in Frage, die Familie hatte sich schon vor 50 Jahren an der Schlei angesiedelt. Das Land war jetzt gegen Ende des Krieges bereits von den Briten besetzt. Ob dort Platz für meine Tante war?  

 

Aber das sollte noch ein langer und beschwerlicher Weg werden. Die Treckwagen kamen aus Pommern und Schlesien, und jetzt kamen die Wagen aus Mecklenburg dazu. Alle wollten nach Westen, nur nicht dem Russen in die Hände fallen. Auf den schmalen Landstraßen kamen die Pferdewagen nur langsam voran, immer wieder stützten britische und amerikanische Jagdflieger nieder und beschossen Zivilisten wie Militärkolonnen. Bei Parchim hat meine Tante die ersten Pferdekadaver und umgekippten Wagen am Straßenrand gesehen. Manchmal konnte meine Tante auf dem Wagen, der von drei Pferden gezogen wurde, einen Platz finden, meistens musste sie nebenher gehen, denn sitzen konnten nur die Alten und Gebrechlichen.

 

Mehrere alte Menschen sind unterwegs gestorben, begraben werden konnten sie oftmals nicht, man ließ sie liegen, der Treck musste weiterziehen. Alle fünf Stunden musste er anhalten, die Pferde wurden getränkt und man hängte ihnen Futtersäcke mit Hafer um den Hals. Die Pferde waren wichtiger als die Menschen, die Tiere durften mit all‘ ihrer Last nicht schlapp machen. Das Futter für die Pferde und die Nahrung für die Flüchtenden kamen von Bauern, von den Äckern, aus unbekannten Quellen.  

 

Bald hatten sie Schwerin erreicht, dann ging es auf Lübeck zu. Die Hauptstraßen konnten sie nicht immer nehmen, da drängten sie die Wehrmachtsfahrzeuge auf dem Rückmarsch zur Seite. Übernachten konnten sie in den Dörfern, manchmal im Wald oder, wenn sie Glück hatten, auf Bauernhöfen. 

 

Am 8. Mai, sie hatten Ratzeburg erreicht, hörten sie die letzte Wehrmachtsmeldung. „Der deutsche Soldat hat bis zuletzt seine Pflicht getan“, heiß es im Radio. Die bedingungslose Kapitulation war die Stunde null. Und meine Tante war noch nicht am Ziel. Es sollte noch zwei Tage dauern, bis sie an der total zerstörten Stadt Kiel vorbei war und die Schlei in Sicht kam. Dann näherte sie sich dem Haus der Verwandten, ein Einfamilienhaus mit einer großen Wohnung und zwei Büros für das Baugeschäft. Dort lebten schon 25 Personen, neben der Familie über 20 Flüchtlinge und nun noch meine Tante dazu. Sie wurde von den Verwandten überschwänglich willkommen geheißen, da niemand mit ihr gerechnet hatte. Hier konnte sie nach Wochen wieder in einem Bett schlafen, wie herrlich!

 

Nachdem sie sich von den Strapazen der Flucht erholt hatte – sie dauerte immerhin fast drei Wochen – machte sich meine Tante für die letzte Etappe auf den Weg. Vier Tage dauerte der Weg ins Lipperland. Mal konnte sie einige Kilometer mit der Eisenbahn fahren, dann nahm ein Auto oder ein Pferdefuhrwerk sie mit, auch kurze Strecken zu Fuß, immer ihre zwei Koffer in der Hand. „Mit dem Möbelwagen hingefahren, …“ Als sie auf dem Bahnhof in Bielefeld angekommen war, hatte sie während der Fahrt eine ganze Weile draußen auf dem Perron eines Personenwaggons stehen müssen und hatte von der Dampf-Lokomotive ein rußgeschwärztes Gesicht. Meine Tante erzählte: „Nie vergesse ich den herabwürdigenden Blick einer gut gekleideten Dame auf dem Bahnsteig.“ Danach war einer ihrer Wahlsprüche „Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man sich erarbeiten.“  Den Satz habe ich oft von ihr gehört. 

 

Am Abend des vierten Tages kam sie endlich zu Hause an, die Familie saß schweigend  beisammen, ihre Eltern und ihre Schwestern. Die Männer waren im Krieg gefallen, beide Ehemänner und die beiden Brüder. Sie lagen sich lange in den Armen, wie froh waren sie, dass wenigsten sie sich wieder hatten.

 

Nach sechs Wochen konnte meine Tante wieder in ihrer alten Firma, der Möbelfabrik in Hannover, anfangen zu arbeiten. Das Unternehmen hatte überlebt und der Chef auch. Eine kleine Dachwohnung wurde mit Mühen gefunden und Möbel auch. Nur meine Großeltern, ihre Eltern, hatten mit der neuen familiären Situation schwer zu kämpfen, ihre jüngste Tochter, meine Mutter - ich war noch nicht geboren - blieb bei ihnen und ging ihnen zur Hand. 

 

Meine Großeltern haben seit dem Krieg viel in der Bibel gelesen und haben regelmäßig den Gottesdienst besucht. Meine Oma habe ich nur in schwarzer Kleidung in Erinnerung, an Gespräche mit ihr kann ich mich nicht erinnern, und mein Opa hat später der Kirchengemeinde einen größeren Geldbetrag zur Beschaffung einer neuen Glocke gespendet; die alte war für Kanonen eingeschmolzen worden. 1957 ist meine Oma mit 72 Jahren verstorben, ich wurde von den Trauerfeierlichkeiten ferngehalten. Später sagten die Älteren mir, sie sei aus Gram gestorben.

 

Epilog

 

Als 1990 die Mauer gefallen und der Eiserne Vorhang nicht mehr da war, habe ich meiner Tante und meiner Mutter angeboten, einen Ausflug nach Mecklenburg zu machen, und wir haben in freudiger Erwartung das Ackerbürgerstädtchen an der Müritz besucht. Die Villa mit dem Büro und der ehemaligen Wohnung haben wir schnell gefunden.

Da war meine Tante, mittlerweile fast 80 Jahre alt, wieder in ihrem Element: „Da ist noch dieselbe Farbe am Zaun wie damals, der schöne Kirschbaum ist eingegangen, und das Fenster, von dem wir einen prächtigen Blick auf den See hatten, haben sie einfach zu gemauert.“

So war meine Tante, eine stolze, selbstbewusste Frau, die sich den Mund nicht verbieten ließ. Das war eine andere Generation, die so viel erlebt hatte. So viel, wie wir uns nicht vorstellen können.

                                                                                                 

Manfred Kobusch, im Oktober 2020

 


Die Liberalen Senioren hatten am 6. Februar zum traditionellen Grünkohlessen eingeladen und viele kamen. Am Anfang sprach der zunächst kommissarisch zum neuen Vorsitzenden gewählte Manfred Kobusch einige Worte zum Gedenken des kürzlich verstorbenen langjährigen Vorsitzenden Dieter Palm, der mit seiner rheinischen Frohnatur und seinem liberalen Ideenreichtum eine große Lücke hinterlassen wird.

Der erste Redner des Abends, Klaus-Peter Wennemann, Diplom-Ökonom und Unternehmensberater, unterstrich die Wichtigkeit der Nord/LB für den gesamten Norddeutschen Raum. Hamburg und Schleswig-Holstein hätten 18 Mrd. Euro für die HSH-Nordbank versenkt, die süddeutschen Länder helfen ihren drei Landesbanken weiterhin mit Staatsmitteln. Da sei die Entscheidung Niedersachsens richtig, die Rettung der Nord/LB ohne private Investoren vorzunehmen. 

Als Hauptredner des Abends stellte Grigorios Aggelidis, unser Bundestagsabgeordneter, seine Arbeit in der FDP-Fraktion vor: Sprecher für Familie, Senioren und bürgerschaftliches Engagement. Letzteres ist ein wichtiges Thema, ohne das in manchen Bereichen die Aufgaben nicht bewältigt werden könnten. Er forderte eine effizientere Mittelvergabe: Es könne nicht sein, dass beim Teilhabepaket für Familien und Kinder die Bürokratiequote bei 30 % läge, d.h. nur 70 % der Gelder kommen bei den Familien an. 

Aggelidis kritisierte auch die „Respektrente“ der SPD als ungerecht und zu teuer. Die FDP schlägt gegen die drohende Altersarmut eine „Basis-Rente“ für Geringverdiener vor. Mit einem anrechnungsfreien Anteil von 20 % der Ansprüche aus der gesetzlichen Rente sollen alle Kleinrentner, die jemals gearbeitet haben, Kinder erzogen oder Angehörige gepflegt haben, besser dastehen, als jene, die das nie taten. Voraussetzung wäre eine einmalige Bedürfnisprüfung und kein Gang zum Sozialamt. Nach Modellrechnungen betragen die Mehrausgaben statt 6 Mrd. nur 400 Mio. Euro.

Zum Ende des Abends kam nach dem leckeren Grünkohl noch eine kontroverse Diskussion zum Thema Pflegekammer auf. Einigkeit bestand jedoch in der Vermeidung der zwangsweisen Mitgliedschaft und der daraus resultierenden Demotivation der Pflegekräfte. 


Am 30.01.2019 fand erstmals ein Neujahrsempfang der Liberalen Senioren Hannover statt. Ungefähr 45 Personen kamen in den kleinen Festsaal im Restaurant Trocadero, um auf das neue Jahr anzustoßen. Martin Schleemann warb in seiner Begrüßung für politisches Engagement bei den Liberalen Senioren, bevor er das Wort an den FDP Stadtverbandsvorsitzenden und Ratsherrn Patrick Döring übergab. Herr Döring gewährte einen ausgesprochen kurzweiligen Einblick in die Hannoveraner Politik, der von der Abschaffung der Straßenausbausatzung (Strabs) bis zur Einführung Gender gerechter Amtssprache reichte. Anschließend gab Niklas Drexler, der Kandidat für das Europa-Parlament aus der Region Hannover, ein flammendes Plädoyer für Europa ab. Danach hatten die Anwesenden bei einem kleinen Imbiss Gelegenheit zu Gesprächen untereinander. 

V.l.n.r.: Patrick Döring, Nicole Bracht-Bendt, Martin Schleemann, Niklas Drexler

Die Vorsitzende des Landesverbandes der Liberalen Senioren, Nicole Bracht-Bendt, war von der Veranstaltung und dem Veranstaltungsort sehr angetan und regte an, einen Neujahrsempfang in Hannover jedes Jahr vom Landesverband aus durchzuführen.